if asses could fly-would this be an airport?
von Nedia Naamane

 

Als Single ist man am Wochenende sozusagen frequent-flyer in den Bars der Stadt.
Im Bestreben nach Public Relation, macht sich das Wandern zur Singles Lust.
Gut wäre, wenn man dazu seine Miles and More Karte nutzen könnte. Ich hätte bestimmt schon 'n Freiflug nach Sydney.
Interkontinentaler Austausch mit Gleichgesinnten macht die Bar allabendlich zum Ankerplatz im Abendland. Wie Basarverkäufer im Orient, rufen Barlichter zur Okkasion im Okzident. In dichtem Gedränge laufen Augenpaare aneinander vorbei, versucht aus dem Meer der Blicke jenes Funkeln heraus zu fischen, welches den Aha-Reflex im Raster der Bedürfnisbefriedigung aktiviert.
Noch ein Bier! Der 'high'way ist der schnellste Weg zum Kontakt.
Der betäubte Sinn schafft im Zwiegespräch ein Ambiente von Gemeinsamkeiten, wo nüchtern primärcharaktäre Eindrücke keinen Konsens finden.
Ein schlauer Freund sagt, es sei durchaus sinnvoll sich am nächsten Tag noch an das Gespräch erinnern zu können, das Parfüm wahrgenommen und die Augenfarbe erkannt zu haben.
Ich bin beeindruckt.
Die Masse jedoch reitet highter weiter - als Barbar von Bar zu Bar.
Im Großstadtrevier auf zur feuchtfröhlichen Jagd nach Spaß, guter Musik , Sex, Liebe...
Der eine Bahnsteig auf dem man sich befindet, gilt meistens für 2 Gleise und birgt den Unterschied im Zuge der Flüchtigkeit oder Beständigkeit.
'Most wanted' - bei emotionalen Lethargikern im endeffekt Sex
- bei Frauen meistens Liebe.

"Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, die Gassen und Plätze, ihn suchen, den meine Seele liebt."

Projiziert das alte Testament die weibliche Intention eines sich scheinbar ewig wiederholenden Verhaltenszyklus.
Die nächtlichen Kreuzzüge lösen sich letztendlich selten in Wohlgefallen auf und geben früher oder später
den einen Speicherplatz im Handy wieder frei.
Es ist aber auch schwer heutzutage!
"Früher war alles anders", seufzen Bar-Nostalgiker, denn verwirrend ist die neourbane Komplexität nonverbaler
Kommunikation.
Geistige Ergüsse, statt Erdnüsse, haben Bar-Philosophen nur noch im Film.
Die alte Schule war im Sinne des lockeren Beisammenseins, gemütlich und ohne Show-Off-Effekt.
Newschool dagegen ist Präzision im Trenderfassungsgespür für Outfit und Club, um dem gegengeschlechtlichen Part eine Parade zu bieten. Die Ungemütlichkeit dessen spiegeln Highheels beim tanzen. Ein kluger Kopf oben und Birkenstocks unten bekommen nunmal keinen Platz in der Szene.
Da setzen tatsächlich Trends die Idealisierung des individuellen Erscheinungsbildes durch, wohl(nicht)gemerkt, daß mit individuell im Sinne der Trend-Norm gemeint ist.
Natürlich versuche ich mich, besonnen über die Farce von Oberflächlichkeiten, dem Trend nicht zu unterwerfen. Außer neulich im Travelers-Club. Da wies ich einen Typen darauf hin, der meinte, er könne die Expressroute in mein Bett nehmen, daß die Fahrt für Hackfressen in der Sackgasse endet.
Ich denke, das war ok.

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