1985 | Schlamm.Pig
von Tina Krüger (energybird)

 

Es soll ja vorkommen, daß Schweine gelegentlich mal im Schlamm baden. Mit Kindern und Pfützen verhält es sich ähnlich - allerdings nicht so häufig!

Meine Tante hatte mich zu meinem Cousin in den Schwarzwald eingeladen. Immer wieder ein Highlight! Mein Cousin und ich waren das Dreamteam was die Umsetzung kranker und abstruser Ideen anging. Er war zwar ein Jahr älter aber mindestens genauso wild geraten wie ich. Und er teilte vor allem eine große Leidenschaft: Im Freien spielen und sich dabei keinerlei Gedanken um zerissene Hosen oder Schmutz zu machen. Und das bei jedem Wetter. Kein Tag konnte so mies sein, daß wir nicht draußen gewesen wären.

Einmal wollte uns meine ältere Cousine was Gutes tun und nahm uns mit in den Reitstall. Es goss in Strömen und das Reiten musste in die Halle verlegt werden. Pferde fand ich damals klasse. Aber nach 10 Hallenrunden auf nem ziemlich verbrauchten Gaul war die Luft irgendwie raus. Und so rief es meinen Cousin und mich nach größeren Herausforderungen. Kurzer Hand packend wir also uns unsere Regenmäntel und schlichen uns aus der Halle.

Der Hof vor der Reithalle war das Paradies der Schlaglöcher, die vor Regenwasser nur so übequollen - der Traum einer jeden 5jährigen! Zunächst knöpften wir uns die kleineren Löcher vor und planschten in unseren kleinen Gummistifeln freudig darin herum. Bald wuchs der Übermut und wir schnappten und die Löcher, in denen das Wasser so tief war, daß es fast bis zum Schaft unserer Gummistiefek reichte. Was fürn Erlebnis!

Bis wir plötzlich die ultimative Monsterpfütze entdeckten, die so groß und tief war, daß schnell feststand - trocken würden wir diesen Ort wohl nie wieder verlassen! Durchgeknallt wie wir waren überlegten wir, wie es wohl wär in so einer Pfütze zu schwimmen? Gesagt - getan. Um uns langsam mir dem kalten Wasser anzufreunden beschlossen wir zunächst mal die Lage anhand einzelner Körperteile auzutesten. Und so schöpften wir zuerst mal unsere Gummistiefel voller Wasser. Lief schon mal ganz gut. Als nächstes wollten wir testen, bis in welche Tiefen ein Vorstoß wohl gefahrlos möglich wäre. Wir fassten uns also an den Händen und schritten frohen Mutes gen Pfützenmitte während der Wasserspiegel langsam aber sicher unsere Oberschenkel hinaufkroch.

Zu dumm, daß in diesem Moment meine Tante mit ihrem Auto ums Eck kam um uns abzuholen! Den Blick werd ich nie vergessen! Kurzerhand wurden wir mitsamt Cousine fluchend und tropfend ins Auto verfrachtet und auf direktem Weg in die nächste heisse Badewanne gestopft. Ich geb ja zu - warmes Wasser war auch ganz nett...Aber noch heute wüßte ich zu gerne wie tief die Pfütze wirklich war! Ich bin mit sicher: Das war die größte Pfütze in meinem ganzen verdammten Leben! Und ich musste sie mir entgehen lassen!

Zum Trost haben mein Cousin und ich dann seine halbe Zahnpastatube leergefuttert. Das war so eine, die nach Himbeergelee schmeckte.

Von diesem Moment an war sich meine Tante wohl endgültig sicher, daß mit uns was nicht stimmte! War uns voll schnurz - Hauptsache wir hatten unsern Spaß!

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