Was ist (wohlgerundete) Wahrheit?
von Reinhard Gobrecht (gobrecht)

 

Philosophischer Beitrag

Wahrheit ist Voraussetzung für Verträge, zwischenmenschliche Beziehungen,
Kommunikation, Staats- und Rechtswesen und natürlich für Wissenschaft und Forschung. Was aber ist Wahrheit? Die Wahrheit ist ein hohes Gut. Die Wahrheit ist eine
unsterbliche Idee. Als Idee ist sie zweifaches Prinzip: Einheit und Vielheit. Wahrheit zeigt sich immer als Übereinstimmung mit etwas anderem. In ihrer Vielheit zeigt sich die Wahrheit immer wieder anders: Als Eigenschaft von Aussagen, Erkenntnissen, und Theorien, aber auch Handlungen und sogar Dinge können Wahrheit anzeigen. In ihrer Einheit ist die Wahrheit als Wahrsein immer dieselbe, eine Norm und ein Idealmaß, das mit einem Gemessenen übereinstimmt. Die Wahrheit lässt sich sowohl logisch als auch ontologisch betrachten. Man kann eine Verbindung herzustellen zwischen logischer Klarheit und ontologischer Gewissheit. Die Wahrheit als Idee ist selbst Teil des Seins und zwar des eigentlichen Seins. Die Wahrheitskonzeption Tarskis lässt sich ontologisch verallgemeinern, dass sie auf alle Seinsbereiche und Erkenntnisbereiche zutreffen kann, denn überall kann nach der Wahrheit gefragt werden. Nicht nur
Übereinstimmung zwischen Objekt- und Metasprache kann bestehen, sondern allgemeiner ontologisch zwischen einer Gegebenheit einer Objektebene und einer Gegebenheit einer Bestimmungsebene. Dabei liefert die Bestimmungsebene das Idealmaß und die Objektebene das Gemessene. Die Wahrheit ist einerseits Antrieb zu wissenschaftlicher Forschung, andererseits ist sie Voraussetzung sowohl für die Verstandestugenden als auch für die ethischen Tugenden. Die Wahrheit ist im Kern unerschütterlich immer dieselbe. Die
Wahrheit ist als objektive Idee unvertilgbar; sie ist nicht vermehrbar und nicht verringerbar, daher kann sie eben selber, in bestimmter Hinsicht, zum unveränderlichen Sein gerechnet werden. Die Wahrheit ist wohlgerundet und hat ein unerschütterliches Herz, so wie es Parmenides vor 2500 Jahren bereits erkannte.

Literatur:
Parmenides: Lehrgedicht
Platon: Der Staat; Gesetze
Augustinus: Selbstgespräche
Tarski: Wahrheit und Beweis
Frankfurt: Über die Wahrheit
Gobrecht: Die wohlgerundete Wahrheit
Infos: https://www.reinhardgobrecht.de/die-wohlgerundete-wahrheit/

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