Der kleine Bär war traurig
von Enno Ahrens (epiklord)

 

Der kleine Bär zweifelte an sich und ließ den Kopf hängen, als er durch den Wald trottete. Da begegnete ihm der Fuchs und fragte, was los wäre. Da antwortete der kleine Bär, dass er sich betroffen gefühlt habe, und sich etwas vorgemacht hätte. Da sprach der Fuchs:
“Kleiner Bär, wenn du dich betroffen gefühlt hast, dann war es wahr, und du hattest dir nichts vorgemacht. Wenn du aber nicht betroffen gewesen warst und dir gesagt hättest, du seist betroffen, dann hättest du gelogen, und hättest dir etwas vorgemacht. Aber du scheinst ja wirklich betroffen zu sein.” Der Fuchs zog weiter seines Weges, und der kleine Bär ließ weiterhin seinen Kopf hängen, als er auf den Dachs traf.
“Was ist los, kleiner Bär?” fragte der Dachs.
“Ich fühlte mich betroffen, machte mir aber etwas vor oder auch wieder nicht.”
“Wie sowas, kleiner Bär?”
“Ja, ich habe im Fernsehen die Horror-Picture-Show angesehen. Da wurde ein Minibär vom Bus überfahren und alles war voller Blut.”
“Dann ist es ja kein Wunder, dass du entsetzt warst.”
“Ja”. Der kleine Bär weinte. “Nach dem Film bin ich nach draußen auf die Straße. Dort wurde gerade mein Freund Bärlibursche überfahren und alles war voller Blut. Und ich hatte das Gefühl, es hätte mich nicht mehr betroffen gemacht, als beim Film gucken. Dabei hatte ich Bärlibursche ganz doll lieb gehabt.”

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